Autonome Shuttles im ÖPNV: 15 Projekte, starke Chance

Autonome Shuttles im ÖPNV: elektrisches Kleinfahrzeug an einer Haltestelle in der Stadt
Autonome Shuttles im ÖPNV: elektrisches Kleinfahrzeug an einer Haltestelle in der Stadt
Foto: Khaya Motsa / Pexels

Autonome Shuttles im ÖPNV sind längst keine Laboridee mehr, sondern rollen in mehreren deutschen Städten bereits auf öffentlichen Straßen. Der Übergang von der Einzelerprobung zum planbaren Regelangebot ist die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre.

Eine Auswertung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zum Stand der Robo-Busse in Deutschland ordnet ein, wie weit die Entwicklung tatsächlich ist. Sie zeigt: Es geht weniger um Technik-Demonstrationen als um Betriebskonzepte, Finanzierung und Genehmigungspraxis.

Autonome Shuttles im ÖPNV: Wo Deutschland aktuell steht

Nach der PwC-Erhebung laufen in Deutschland derzeit 15 Testprojekte rund um autonomes Fahren im öffentlichen Verkehr. Ihr Volumen summiert sich auf etwa 228 Millionen Euro.

Rund 62 Prozent dieser Mittel stammen aus Förderprogrammen des Bundes und der Länder. Autonome Shuttles im ÖPNV sind damit bislang überwiegend öffentlich finanzierte Innovationsvorhaben – ein wichtiger Hinweis für alle, die über künftige Geschäftsmodelle nachdenken.

Regional ist das Bild ungleich verteilt: Baden-Württemberg hat laut der Auswertung elf abgeschlossene Projekte vorzuweisen, Hessen acht. Diese Erfahrungswerte sind ein Kapital, das andere Kommunen nutzen können, statt jede Lernkurve erneut zu durchlaufen.

Für Städte und Verkehrsverbünde bedeutet das: Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob autonome Fahrzeuge im Linienverkehr technisch möglich sind, sondern unter welchen organisatorischen und wirtschaftlichen Bedingungen sie einen echten Mehrwert stiften. Der Blick auf die laufenden Projekte liefert dafür belastbare Anhaltspunkte.

Wer diese Ergebnisse in eine eigene Mobilitätsstrategie übersetzen will, braucht eine nüchterne Bewertung von Nutzen, Kosten und Betriebsrisiken. Genau an dieser Stelle setzt die Beratung der aoty® GmbH für Neue Mobilität an.

Hamburg und Braunschweig: Zwei Wege für autonome Shuttles im ÖPNV

Das größte Vorhaben ist das Hamburger Projekt ALIKE mit einem Finanzierungsvolumen von 52 Millionen Euro. Eingesetzt werden dort 20 autonom fahrende Mini-Shuttles der Hersteller Volkswagen und Holon; die Erprobung ist bis Oktober 2026 angelegt.

Hamburg denkt dabei deutlich über den Test hinaus. Bis 2030 sollen nach den Plänen der Hansestadt mehrere Hundert autonome Fahrzeuge im Stadtgebiet unterwegs sein – eine Größenordnung, die Flottenmanagement, Depots und Leitstellen zu eigenen Planungsaufgaben macht.

Einen anderen Zuschnitt hat das Braunschweiger Projekt IMoGer mit einem Finanzrahmen von 39,1 Millionen Euro. Hier kommen neun Shuttles zum Einsatz, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt hat; die Laufzeit reicht bis Dezember 2027.

Der Vergleich beider Projekte ist lehrreich: Hamburg testet die Skalierung mit Serienfahrzeugen von Herstellern, Braunschweig verfolgt einen stärker forschungsgetriebenen Ansatz. Beide Linien zusammen erhöhen die Chance, dass autonome Shuttles im ÖPNV am Ende betriebstauglich und bezahlbar werden.

Aus Beratungssicht empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen: zunächst ein klar umrissener Anwendungsfall mit messbaren Zielen, danach die Ausweitung auf weitere Relationen. So bleiben Investitionen überschaubar, und Erkenntnisse aus dem Betrieb fließen direkt in die nächste Ausbaustufe ein.

Was Kommunen jetzt für autonome Shuttles im ÖPNV vorbereiten sollten

Autonome Shuttles im ÖPNV entfalten ihren Nutzen vor allem dort, wo klassische Linienbusse an Grenzen stoßen: in Randlagen, in Gewerbegebieten und in den Tagesrandzeiten. Sinnvoll ist deshalb eine Verknüpfung mit bestehenden Takten statt eines Parallelangebots.

Vor der Fahrzeugbeschaffung stehen Fragen der Infrastruktur. Haltepunkte, Wendemöglichkeiten, digitale Kartengrundlagen, Mobilfunkabdeckung und Ladepunkte für die elektrischen Fahrzeuge müssen früh mitgedacht und in die Verkehrsplanung eingebettet werden.

Ebenso wichtig ist der Betrieb selbst. Autonome Flotten brauchen Leitstellen, geschultes Personal für die technische Aufsicht sowie klare Prozesse für Störungen, Reinigung und Kundenbetreuung – Aufgaben, die Verkehrsunternehmen frühzeitig in ihre Personalplanung aufnehmen sollten.

Weil ein Großteil der bisherigen Projekte gefördert ist, gehört die Finanzierungsperspektive in jede Machbarkeitsstudie. Kommunen sollten realistisch kalkulieren, welche Kosten nach dem Ende einer Förderphase im eigenen Haushalt verbleiben.

Schließlich entscheidet die Akzeptanz der Fahrgäste. Verständliche Information, barrierefreier Zugang und ein verlässlicher Fahrplan sind mindestens so wichtig wie die Reifegrade der Sensorik.

Unser Fazit: Autonome Shuttles im ÖPNV haben die Phase der reinen Machbarkeitsnachweise verlassen. Wer jetzt Datengrundlagen schafft, Betriebskonzepte entwirft und Fördermöglichkeiten prüft, kann die kommenden Jahre für einen geordneten Hochlauf nutzen – ohne unrealistische Erwartungen an einen sofortigen Ersatz des heutigen Nahverkehrs.

Auch die Zeitachse verdient Beachtung. Die genannten Vorhaben laufen bis 2026 beziehungsweise 2027 – wer erst danach mit der eigenen Konzeptarbeit beginnt, verliert wertvolle Vorbereitungszeit für Ausschreibungen, Genehmigungen und Personalaufbau.

Quellen: PwC Deutschland – Robo-Bus-Radar 2025

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