
Der Superblock Test Basel zeigt, wie ein Kanton Verkehrsberuhigung nicht am Reissbrett, sondern im echten Quartier erprobt. Seit August 2025 läuft der Versuch im Basler St. Johann, im März 2026 rückt sein Ende näher. Die Testphase dauert noch bis zum 2. August 2026 und wird danach planmässig zurückgebaut.
Superblock Test Basel: Verkehrsversuch im St. Johann
Hinter dem Vorhaben steht die Idee der «Stadt als Labor»: Der Regierungsrat will herausfinden, wie Superblocks in Basel tatsächlich wirken. Quartierstrassen im Perimeter sind verkehrsberuhigt und lassen sich vielfältig nutzen – als Raum zum Spielen, Verweilen und für das Quartierleben.
Superblocks stammen ursprünglich aus der Stadtplanungsdebatte um kompakte Quartiere, in denen der Durchgangsverkehr aus einem Strassengeviert herausgenommen wird. Der Zugang für Anwohnende, Lieferverkehr und Rettungsdienste bleibt erhalten, während die Fläche zwischen den Häusern anders genutzt werden kann. In Basel wird dieser Ansatz nun nicht als Dauerlösung, sondern als zeitlich klar begrenztes Experiment erprobt.
Für Städte, die über die 15-Minuten-Stadt, Superblocks oder autoarme Quartiere diskutieren, ist der Superblock Test Basel deshalb mehr als eine lokale Massnahme. Er liefert Erfahrungswerte darüber, wie ein befristeter Verkehrsversuch rechtlich abgesichert, kommunikativ begleitet und methodisch ausgewertet werden kann. Genau an dieser Schnittstelle von Planung, Beteiligung und Umsetzung beraten wir bei aoty® Kommunen und Unternehmen.
Bemerkenswert ist der lange Vorlauf. Bereits im März 2024 wurden die nötigen verkehrstechnischen Massnahmen im Kantonsblatt publiziert; anschliessend gingen drei Rekurse gegen das Vorhaben ein. Der geplante Start im Herbst 2024 verschob sich dadurch.
Im November 2024 wurden alle drei Rekurse abgewiesen. In einem Teilperimeter blieben die Verkehrsanordnungen unangefochten und rechtskräftig, in einem anderen führten Einsprachen dazu, dass die Arbeiten wegen des hängigen Rechtsverfahrens zunächst ruhten. Der Superblock Test Basel macht damit sichtbar, dass Rechtsverfahren ein realistischer Bestandteil jeder Zeitplanung sind.
Ebenso wichtig war die frühe Einbindung des Quartiers: Anwohnende und künftige Nutzerinnen und Nutzer konnten sich einbringen, im Februar 2025 fand eine Dialogrunde statt. Beteiligung ersetzt keine Genehmigung, sie erhöht aber die Akzeptanz eines Versuchs, der den Alltag im Strassenraum spürbar verändert.
Für die Verkehrsplanung ist das ein wichtiger Unterschied. Ein Test erzeugt Daten und Alltagserfahrungen, die in einer rein theoretischen Planung fehlen: Wie verändern sich Wege, wie reagieren Gewerbe und Logistik, wie wird der neue Freiraum tatsächlich genutzt?
Was Städte vom Superblock Test Basel lernen können
Wer solche Prozesse begleitet, sollte früh definieren, welche Indikatoren erhoben werden – von Verkehrsmengen und Geschwindigkeiten über Aufenthaltsdauer bis hin zur subjektiven Zufriedenheit im Quartier. Nur so lässt sich am Ende sachlich begründen, ob ein Konzept verstetigt, angepasst oder verworfen wird.
Der Superblock Test Basel ist bewusst als einjähriger Versuch angelegt und wird begleitet und evaluiert. Auf Basis dieser Evaluation entscheidet der Regierungsrat, wie es mit dem Thema Superblocks in Basel weitergeht.
Eine Verlängerung über die vorgesehene Dauer hinaus ist laut Kanton aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Das erklärt, warum die Installationen nach dem 2. August 2026 abgebaut werden – auch wenn die inhaltliche Debatte danach weitergeht.
Aus Beratungssicht ist dieser Punkt zentral: Wer temporäre Verkehrsversuche plant, sollte den Ausstieg genauso sorgfältig vorbereiten wie den Einstieg. Dazu gehören klare Evaluationskriterien, eine belastbare Datengrundlage vor und während des Versuchs sowie ein transparenter Umgang mit der Frage, was nach dem Rückbau folgt.
Der Superblock Test Basel steht damit exemplarisch für einen pragmatischen Weg der Mobilitätswende: kleinteilig beginnen, ehrlich auswerten und die Ergebnisse offenlegen, statt Grundsatzdebatten ohne empirische Basis zu führen.
Für deutsche Kommunen lassen sich aus dem Basler Vorgehen mehrere Ansätze ableiten. Erstens: Ein befristeter Test senkt die Einstiegshürde, weil er Veränderung erfahrbar macht, ohne sofort dauerhafte Fakten zu schaffen. Zweitens: Rechtliche Rahmenbedingungen bestimmen Tempo und Reichweite eines Projekts oft stärker als die Planungsidee selbst.
Drittens zeigt der Superblock Test Basel, dass Verkehrsberuhigung und Aufenthaltsqualität zusammengedacht werden müssen. Ein Quartier gewinnt nicht allein dadurch, dass weniger Autos durchfahren, sondern dadurch, dass der frei gewordene Raum eine neue, alltagstaugliche Funktion erhält.
Wie es in Basel weitergeht, ist im März 2026 noch offen und hängt an der Auswertung. Detaillierte Informationen zum Projekt veröffentlicht der Kanton Basel-Stadt laufend auf seiner Projektseite.
Quellen: Kanton Basel-Stadt