
Klimafreundlicher Holzbau bekommt eine neue Bühne: Im Oktober 2025 hat die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) die aktuelle Runde des Bundeswettbewerbs HolzbauPlus 2025/26 bekannt gegeben. Gesucht werden gebaute Beispiele aus Stadt und Land, die zeigen, wie ressourcenschonendes Bauen heute funktioniert.
Für Kommunen, Projektentwickler und Planungsbüros ist das mehr als ein Preis. Der Wettbewerb macht sichtbar, welche Ansätze sich in der Praxis bereits bewährt haben – und er liefert damit eine Orientierung für alle, die vor vergleichbaren Entscheidungen stehen.
Klimafreundlicher Holzbau: Das steckt hinter dem Wettbewerb
Der Wettbewerb ist Teil der Holzbauinitiative der Bundesregierung. Das Bundeslandwirtschaftsministerium würdigt damit bereits seit 2012 Bauwerke, die Holz mit weiteren Naturbaustoffen, durchdachten Wärmekonzepten und erneuerbaren Energien verbinden; koordiniert wird das Verfahren von der FNR.
Ausgezeichnet wird in drei Kategorien: Bauen im Bestand, Klimafreundlicher Neubau und Ländliche Baukultur. Zusätzlich gibt es mit dem Kommunalen Innovationssiegel einen Sonderpreis für vorbildliche kommunale Vorhaben – ein Signal an Städte und Gemeinden, die eigene Bauverwaltung als Treiber zu begreifen.
Bemerkenswert ist die Kombination der Bewertungsfelder. Nicht das Material allein zählt, sondern das Zusammenspiel aus Konstruktion, Hülle, Anlagentechnik und Energieversorgung. Genau dieses integrierte Denken ist es, das in der Praxis oft noch an Gewerkegrenzen und getrennten Planungsphasen scheitert.
Teilnehmen können Bauherren aus dem privaten, öffentlichen und gewerblichen Bereich ebenso wie Planungsbüros und Holzbaubetriebe, die im Namen der Bauherren einreichen. Voraussetzung ist, dass das Gebäude zwischen April 2022 und Oktober 2025 in Deutschland fertiggestellt wurde.
Dieser Zeitraum ist bewusst weit gefasst: Er umfasst Projekte, die unter sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen entstanden sind – von veränderten Materialpreisen bis zu neuen Anforderungen an die Energieversorgung. Wer die Umsetzung strategisch einordnen möchte, findet bei der Beratung der aoty® GmbH Unterstützung von der Konzeptphase bis zur Kommunikation.
Warum klimafreundlicher Holzbau jetzt die Planung mitdenkt
Neu ist in dieser Runde, dass die klimafreundliche Planung selbst in die Bewertung einfließt. Nachhaltige Entscheidungen sollen bereits in frühen Entwurfsphasen erkennbar sein – etwa durch eine klimagerechte Materialwahl und modulare Bauweisen.
Damit rückt eine Erkenntnis in den Vordergrund, die in der Fachwelt seit Jahren diskutiert wird: Die größten Hebel für graue Emissionen liegen nicht auf der Baustelle, sondern am Reißbrett. Wer erst in der Ausführungsplanung über Baustoffe nachdenkt, hat einen Teil des Einsparpotenzials bereits verschenkt.
Praktisch bedeutet das: Grundrissraster, Spannweiten und Achsmaße entscheiden mit darüber, wie viel Material überhaupt nötig ist. Modulare Bauweisen wirken hier doppelt – sie reduzieren Verschnitt und erleichtern spätere Anpassungen der Nutzung.
Zusätzlich bewertet die Jury Aspekte der Kreislauffähigkeit. Dazu zählen die Rückbaubarkeit von Konstruktionen, sortenrein trennbare Bauteile, reparierbare Materialien sowie Komponenten, die sich später wiederverwenden lassen.
Diese Kriterien beschreiben präzise, wohin sich klimafreundlicher Holzbau entwickelt: weg vom reinen Materialaustausch, hin zu einer Bauweise, die das Gebäude als temporäres Rohstofflager versteht. Ein Holztragwerk entfaltet seinen Nutzen für das Klima vor allem dann, wenn der verbaute Kohlenstoff möglichst lange gebunden bleibt.
Aus dieser Logik folgt eine unbequeme Konsequenz für die Detailplanung: Verklebungen und Verbundaufbauten, die sich später nicht trennen lassen, verkürzen die nutzbare Lebensdauer der Bauteile. Lösbare Fügungen sind deshalb kein Nebenaspekt, sondern ein Qualitätsmerkmal.
Klimafreundlicher Holzbau als Aufgabe für Kommunen und Quartiere
Für kommunale Bauherren ist die Ausschreibung ein guter Anlass, den eigenen Gebäudebestand zu sichten. Schulen, Kitas, Verwaltungs- und Gemeindebauten der vergangenen Jahre sind häufig genau jene Projekte, die inzwischen als Referenz taugen.
Auch Bestandsprojekte haben ausdrücklich einen Platz: Die Kategorie Bauen im Bestand nimmt Aufstockungen, Sanierungen und Umnutzungen in den Blick. Gerade dort verbindet sich klimafreundlicher Holzbau mit dem Ziel, Flächenverbrauch zu begrenzen und vorhandene Substanz weiterzunutzen.
Aufstockungen sind dafür ein typisches Beispiel. Das geringe Eigengewicht der Holzkonstruktion und die Vorfertigung im Werk verkürzen Bauzeiten und mindern Belastungen für laufende Nutzungen – ein Argument, das bei Schulen und Verwaltungsgebäuden schwer wiegt.
Von der Ökobilanz bis zur Vergabe: Praxisperspektive
Aus Beratungssicht lohnt sich ein systematisches Vorgehen. Sinnvoll ist, früh eine Ökobilanz aufzusetzen, Varianten für Tragwerk und Ausbau zu vergleichen und die Vergabeunterlagen so zu formulieren, dass Kreislauffähigkeit nicht nur Absichtserklärung bleibt.
Entscheidend ist dabei die Übersetzung von Zielen in prüfbare Anforderungen. Wer Kriterien wie Trennbarkeit oder Reparaturfähigkeit in Leistungsbeschreibungen und Bewertungsmatrizen verankert, macht sie zum Vergabekriterium statt zum Wunsch.
Ebenso wichtig ist die Dokumentation. Wer Materialien, Fügeprinzipien und Herkunftsnachweise sauber erfasst, erleichtert nicht nur die Bewerbung um Auszeichnungen, sondern schafft die Grundlage für spätere Rückbau- und Wiederverwendungsentscheidungen.
Eine belastbare Dokumentation zahlt sich zudem in der Kommunikation aus. Sie liefert die Grundlage, um gegenüber Gremien, Fördergebern und Öffentlichkeit nachvollziehbar zu erklären, warum eine Entscheidung getroffen wurde – und was sie bewirkt.
Ländliche Baukultur und der Blick nach vorn
Die Kategorie Ländliche Baukultur erinnert schließlich daran, dass klimafreundlicher Holzbau kein reines Großstadtthema ist. Beispiele wie der Gemeindesaal in Legau, ein Ensemble aus zwei Holzhäusern zwischen Rathaus und Kirche, zeigen, wie Ortsmitten durch Holzarchitektur neue Aufenthaltsqualität gewinnen.
Für Städte und Gemeinden entsteht daraus ein doppelter Nutzen: sichtbare Klimaschutzwirkung und ein Bautypus, der von der Bevölkerung meist positiv aufgenommen wird. Akzeptanz ist im Klimaschutz keine Nebengröße, sondern oft die Voraussetzung dafür, dass weitere Vorhaben überhaupt Mehrheiten finden.
Wer jetzt Projekte einreicht, trägt zugleich dazu bei, dass belastbare Praxisbeispiele für die nächste Planungsgeneration verfügbar werden. Genau darin liegt der eigentliche Wert solcher Wettbewerbe: Sie verwandeln Einzelprojekte in übertragbares Wissen.
Der Ausblick ist damit klar umrissen. Wenn Planung, Kreislauffähigkeit und Energiekonzept künftig gemeinsam gedacht werden, verschiebt sich der Maßstab für gutes Bauen – und klimafreundlicher Holzbau wird vom Vorzeigeprojekt zur Normalität im Alltag von Bauverwaltungen und Planungsbüros.